Gesellschaft

Wenn aus Islamismuskritik im Focus allgemeiner Muslimenverdacht wird
Helmut Markwort nutzt im FOCUS einen realen Sicherheitsfall um mutmaßliche iranische Anschlagspläne, um daraus eine Erzählung von muslimischer Unterwanderung zu bauen. Genau das ist gefährlich: Nicht,
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14. August 2026
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Helmut Markwort nutzt im FOCUS einen realen Sicherheitsfall um mutmaßliche iranische Anschlagspläne, um daraus eine Erzählung von muslimischer Unterwanderung zu bauen. Genau das ist gefährlich: Nicht, weil Islamismus keine Bedrohung wäre. Sondern weil eine notwendige Kritik an Extremismus dort kippt, wo sie Musliminnen und Muslime pauschal unter Verdacht stellt. Es beginnt mit einem Fall, der jeden Demokraten alarmieren muss. Die Bundesanwaltschaft wirft zwei Männern vor, im Auftrag eines iranischen Geheimdienstes Anschläge auf jüdische Einrichtungen und prominente Personen vorbereitet zu haben. Im Visier sollen unter anderem Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, und Volker Beck, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, gewesen sein. Das ist schwerwiegend. Es geht um mutmaßliche Ausspähung jüdischen Lebens, um iranische Einflussnahme, um Antisemitismus und um mögliche Mord- und Brandanschläge. Wer diese Gefahr kleinredet, verkennt die Realität. Jüdisches Leben in Deutschland braucht Schutz. Der iranische Staatsterror ist kein Hirngespinst. Und auch die sogenannte „Blaue Moschee“ in Hamburg war nicht irgendein religiöser Ort: Das Bundesinnenministerium hat das Islamische Zentrum Hamburg 2024 verboten, weil es nach Einschätzung der Behörden eine islamistisch-totalitäre Ideologie verbreitet, aggressiven Antisemitismus propagiert und als Vertretung des iranischen Regimes agiert habe. Aus einem konkreten Fall wird eine Unterwanderungserzählung Doch genau an dieser Stelle beginnt das Problem des FOCUS-Beitrags von Helmut Markwort. Der Text bleibt nicht bei den konkreten Vorwürfen, den Angeklagten, den iranischen Strukturen und dem Antisemitismus des Mullah-Regimes. Er weitet den Fall zu einer Generalerzählung aus: vom „politischen Islam“, von Muslimbrüdern, von deutscher Staatsbürgerschaft, von NGOs, von angeblichen „Wegbereitern“ und schließlich vom Namen Mohammed in Berliner Geburtsregistern. Aus einem Staatsschutzverfahren wird so eine Unterwanderungsfantasie. Das ist kein Zufall, sondern Methode. Markwort verknüpft Dinge, die politisch, rechtlich und analytisch getrennt werden müssen. Der iranische Geheimdienst ist nicht die Muslimbruderschaft. Die Muslimbruderschaft ist nicht die muslimische Bevölkerung. Eine NGO, die antimuslimischen Rassismus thematisiert, ist kein Hilfsorgan Teherans. Und ein Neugeborenes namens Mohammed ist kein sicherheitspolitischer Befund. Islamismus muss präzise kritisiert werden Natürlich gibt es Islamismus. Natürlich gibt es legalistische Strategien islamistischer Akteure. Natürlich muss der Staat Organisationen beobachten, verbieten und strafrechtlich verfolgen, wenn sie gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung arbeiten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt Islamismus ausdrücklich als politischen Extremismus, der religiöse Vorstellungen über demokratische Ordnungen stellt und damit im Widerspruch zu Volkssouveränität, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit steht. Aber gerade deshalb braucht es Präzision. Wer Islamismus ernsthaft bekämpfen will, muss unterscheiden können: zwischen Religion und Ideologie, zwischen Muslimen und Islamisten, zwischen konservativer Frömmigkeit und verfassungsfeindlicher Agenda, zwischen einem iranischen Staatsapparat und Millionen muslimischer Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Markwort tut das Gegenteil. Er arbeitet mit Verdichtungen. Erst sind es zwei Angeklagte mit afghanischen Wurzeln. Dann sind es „zwei Muslime“. Dann ist es der Iran. Dann die Muslimbruderschaft. Dann die deutsche Staatsbürgerschaft. Dann NGOs. Dann Geburtenzahlen. Am Ende steht ein Bild: Muslime seien nicht Teil Deutschlands, sondern eine strategische Masse, die sich einschleicht, vermehrt und Institutionen besetzt. Das ist der Punkt, an dem Islamismuskritik in antimuslimische Stimmung kippt. Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ wird delegitimiert Besonders entlarvend ist der Umgang mit dem Begriff „antimuslimischer Rassismus“. Markwort nennt ihn einen „Kampfbegriff“. Damit delegitimiert er nicht nur Kritik an Pauschalisierungen, sondern auch Erfahrungen von Menschen, die in Deutschland tatsächlich wegen ihrer zugeschriebenen oder tatsächlichen muslimischen Zugehörigkeit abgewertet, bedroht oder diskriminiert werden. Der Begriff beschreibt die pauschale Abwertung und Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen sowie von Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden. Man kann über einzelne NGO-Netzwerke, Förderpolitik oder problematische Verbandsnähe streiten. Man soll sogar darüber streiten. Aber wer pauschal behauptet, solche Akteure seien „Wegbereiter“ islamischer Unterwanderung, verschiebt den Diskurs. Aus Kritik wird Verdacht. Aus Verdacht wird Feindbild. Der Name Mohammed ist kein Sicherheitsrisiko Auch die Passage über den Namen Mohammed ist journalistisch fragwürdig. Ja, Mohammed war 2025 in Berlin der beliebteste Jungenname, wenn alternative Schreibweisen berücksichtigt werden. Das hat die Ges
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